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Bibliothèque Pascal (Critic.de)

Bibliothèque Pascal (Critic.de)

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von Till Kadritzke

Von Loach zu Lynch und wieder zurück: Szabolcs Hajdu erzählt eine Geschichte von Menschenhandel und Zwangsprostitution als skurriles Märchen – und bewirkt damit eine unbehagliche Faszination.

Zu Beginn sitzt die Rumänin Mona (Orsolya Török-Illyés) beim Jugendamt. Ein Beamter fasst nüchtern ihren Fall zusammen, erklärt, was sie tun muss, um das Sorgerecht für ihre kleine Tochter wiederzubekommen. Ein sozialrealistischer Film, könnte man in dieser ersten Szene glauben, doch alles wird anders, als Mona aufgefordert wird, ihre Geschichte zu erzählen und der Film ihre Perspektive einnimmt, oder besser: die ihrer Erinnerungen. Denn diese sind nur noch Fragmente einer verdrängten Vergangenheit, die Mona mit ihrer blühenden Fantasie aufgeladen hat. Und so verlässt Regisseur Szabolcs Hajdu gleich nach der Eingangsszene die sozialrealistische Verhandlung von Monas Schicksal und entführt uns in das expressionistische Bunt ihrer Fantasie. Die tragische Geschichte von Menschenhandel und Zwangsprostitution wird zum düsteren Märchen, das mit der Realität nicht mehr viel gemein zu haben scheint.

Am Ende dieses Märchens steht die „Bibliotheque Pascal“ in Liverpool, ein Edelbordell für Kunden mit reichlich Geld und reichlich ausgefallenen Wünschen. Die Zimmer sind bekannten Werken aus der Literaturgeschichte nachgebildet, die Prostituierten übernehmen die entsprechenden Rollen von Don Juan, Othello oder Lolita, die zumeist unter Einsatz von Latexanzügen, Vakuumbetten und anderem Spielzeug gespielt werden. Die „Bibliotheque Pascal“ verbindet das intellektuelle Selbstverständnis des Bildungsbürgers mit seinen sexuellen Gelüsten, Kulturgeschichte als Fetisch. Auf einem schaurigen Menschenmarkt entdeckt Bordellbesitzer Pascal (Shamgar Amram) auch Mona – als perfekte „Besetzung“ für das Zimmer der Heiligen Johanna.

Die Jugendamt-Szene ist die realistische Klammer des Films, der Edelpuff sein unwirkliches Zentrum, und dazwischen inszeniert Hajdu episodenhaft Monas Odyssee, die von Kameramann András Nagy in kraftvollen Bildern eingefangen und von Flangers aufregendem Elektro-Jazz-Score unterlegt wird. Zu Anfang dieser Odyssee flüchtet Mona vor dem Zorn eines Geliebten, begreift dann aber schnell: Aus der düsteren Männerwelt, in der sie lebt, gibt es kein Entkommen, eigentlich gibt es in ihr überhaupt kein Handeln. So steht Mona nicht im Mittelpunkt des Films, weil sie der Handlung Impulse verleiht, sondern weil diese ständig auf sie einwirkt, weder Aktion noch Reaktion zulässt. Ihre Passivität ist jedoch kein Zeichen von Schwäche, sondern Ausdruck der Stärke ihrer Verdrängungskraft. Denn was Mona bleibt – und davon handelt dieser Film –, ist die Flucht ins Imaginäre, die Umwandlung der brutalen Realität in eine verwunschene, düstere Welt, die von höheren Mächten gelenkt wird und gegen die jeder Widerstand zwecklos ist. In dieser Welt erscheint Mona passiv, aber sie bewahrt sich stets ihre Würde und erlaubt sich keine Träne.

Doch die Flucht in die Fantasie, das Kino hat es uns immer wieder beigebracht, ist keine Befreiung, sondern nur die Anrufung einer anderen Wahrnehmungsebene, welche die grausame Wahrheit filtern, aber nicht verändern kann. Regisseur Hajdu übersetzt diese Wahrnehmung in die bizarr-schöne Ästhetik seines Films, in der das Grauen des Menschenhandels zum faszinierenden Schauermärchen, der brutale Mikrokosmos des Edelbordells zu einem surrealen Parallelunviersum, die Männerwelt zu einem Reich der skurrilen Gestalten wird. Den Mix aus bildschönen Traum- und grausamen Albtraumsequenzen könnte man nun abstoßend finden und Hajdu die voyeuristische Ausbeutung einer wichtigen Thematik vorwerfen. Doch das unwohle Gefühl, das man beim Ansehen des Films haben mag, ist nur Zeichen dafür, dass er funktioniert.

Denn die „Bibliotheque Pascal“ ist nicht zuletzt der Ort, mit dem Hajdu sein eigenes Kino reflektiert. So wie die Figur Pascal (der im Übrigen kein hässlicher Geschäftsmann oder schleimiger Zuhälter, sondern ein Zirkusartist ist) mit Menschen handelt, um seinen Kunden anspruchsvolle Erotik bieten zu können, benutzt Hajdu sein grausiges Thema zur Befriedigung des Filmzuschauers.  So wie sich die Bordellkunden von der einzigartigen Kombination aus sexuellen Lüsten und europäischer Hochkultur anziehen lassen, feiert der Kinoästhet das Fellini-Setting, die Gondry-Spielereien und den Lynch-Kosmos dieses Films, hinter denen das Elend der eigentlichen Handlung verschwindet wie die Prostituierten der Bibliotheque hinter ihren Rollen: Das Kino als Luxusbordell, in dem der Regisseur/Zuhälter seine Figuren an die Schaulust des Zuschauers ausliefert.

Ausgehend von dieser Analogie könnte man sich fragen, warum uns das elegante Universum der „Bibliotheque Pascal“ so verstört – und warum uns ein harter, sozialrealistischer Ansatz für Themen dieser Art so viel angemessener erscheint. Vielleicht weil die Beruhigungspille der Authentizität die gleichsam erschütternden Bilder aus dem Projektionsraum hinaus in eine entfernte „Realität“ verbannt und die Rolle des Zuschauers damit teilweise verschleiert. Indem Hajdu Monas Geschichte dagegen zu einem berauschenden Märchen verfremdet, verweigert er uns die versöhnliche Synthese aus brutalem Inhalt und dokumentarischer Form. Das Gaukler- und Jahrmarktmilieu betont vielmehr den Attraktionscharakter des Kinos, und die mitten in diesem Milieu entstandene „Bibliotheque Pascal“ erinnert daran, dass auch der Voyeurismus schon im Medium angelegt ist. Im Luxusbordell Kino sind wir die Freier. Das Unbehagen, das den Genuss dieses Films begleitet, ist keine Schwäche, sondern sein größter Gehalt.

http://www.critic.de/film/bibliotheque-pascal-2621