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Bibliotheque Pascal (Negativ-film.de)

Bibliotheque Pascal (Negativ-film.de)

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von Ciprian David

Es bedarf immer einer Form von Mut, um gute Filme zu schöpfen. In seinen Filmen beweist dies Szabolcs Hajdu stets aufs Neue. Schon in seinem Debut Macerás ügyek bediente er sich fantastischer Elemente um Wirklichkeit in Film zum Ausdruck zu bringen, auf eine Art, die das Publikum in die Lage versetzt, sich des eigenen Voyeurismus bewusst zu werden, der perversen Dimension seiner Lust auf Attraktionen. Ebenso in  Tamara, seinem zweiten Spielfilm, in welchem die wohlbekannten osteuropäischen Wohnblockviertel zu einem magischen Ort verwandelt wurden. So faszinierend seine Welten sein mögen, die hinter ihnen verborgene Realität ist immer da, als moralischer Zeigefinger, als Impuls, sich mit dem Gesehenen und seiner Symbolhaftigkeit auseinanderzusetzen.

Sein Mut besteht jedoch in der Tatsache, sich in seinen bunten und magischen Weltentwürfen auf Kitsch einzulassen, diesen als einen legitimen, ernstzunehmenden Bestandteil von Fantasien anzuerkennen und - in seinem neuen Film Bibliotheque Pascal - ihn sogar explizit als Veführungsmittel gegenüber den Zuschauern zu benutzen.

Schon in White Palms hat der ungarische Regisseur durch seine Zusammenarbeit mit rumänischen Schauspielern eine gewisse Distanz zum nationalen Kino gezeigt, die sich in der Stimmung seiner Filme bestätigt sieht. Es besteht eine Bereitschaft zur Transgression über die politisch-moralischen Grenzen auf welche, von Rumänien aus, Marian Crisan in seinen Film Morgen auf charmante Art aufmerksam macht. Die rumänische Schauspielerin Oana Pellea, vielleicht international viel bekannter für ihre kleine Rolle als Zigeunerin in Children of Men als für ihre Rollen in Filmen der rumänischen Regisseure Stere Gulea oder Alexandru Tatos, gehört dazu, und spielt in Bibliotheque Pascal eine der unmoralischsten Figuren des Films: Als Wahrsagerin Rodica wird sie ihre kleine Enkeltochter Viorica mit Schnaps zum Schlafen bringen, um die übersinnliche Gabe der Kleinen, die eigenen Träume in die Umgebung zu projizieren, zu verkaufen.

Szabolcs Hajdu ist mit Sicherheit ein Virtuoser der Mise en Scène und die Kamera von András Nagy rundet die Bilder ab in ihrer optischen Exzellenz. Dennoch ist er ein Gaukler unter der Regisseuren, ein Fellini zweiten Ranges, ein viel besserer Horatiu Malaele, ein Künstler, der das Spielerische stets in den Vordergrund stellt. Seine inszenatorischen Gesten sind immer mit Komik verbunden, mit einer gewissen Leichtigkeit, in welcher der Drang, den osteuropäischen Miserabilismus auszugleichen, strukturell immer durchschimmert. In diesem Sinne ist es selbstverständlich für ihn, einen Film, der in Rumänien anfängt und endet, mit Szenen einzurahmen, die der Vision eines der jüngeren rumänischen Regisseure des realistischen Minimalismus entsprungen sein könnten und einen Schauspieler wie Ion Sapdaru (der sowohl mit Porumboiu, als auch mit Mungiu, Muntean und indirekt mit Puiu, in Francesca, gearbeitet hat) als Täuschungsmanöver in diesen Einstellungen spielen zu lassen. Er hört sich die Geschichte von Mona (Orsolya Török-Illyés, Stammschauspielerin des Regisseurs) an, der Mutter des kleinen außergewöhnlichen Mädchens, denn sie muss ihre zwei Jahre Abwesenheit in dem Leben der Kleinen erklären, um das Sorgerecht zu bekommen.

Sobald ihre Geschichte visualisiert wird, wird die Bildästhetik der Neuen Rumänischen Welle durch Kitsch ersetzt. Blockhäuser glänzen in der Sonne, eine Straßenfeier wird zum Anlass für eine skurrile Überflutung der Bilder mit Farbe, ihr Lokalkolorit wird durch ein Passepartout ersetzt, das ein Unort zwischen Chile, Cuba, Nordafrika oder dem Süden Europas sein könnte. Mona organisiert eine von der Requisite, über die Figuren und bis zu den einzelnen Handlungen aus Klischees bestehende Feier. Als Showdown wie in einem Spaghetti -Western wird ihr Konflikt mit einer anderen Frau inszeniert, ein lasziver Tanz wird nur von der mittanzenden Kamera übertrumpft und wenn die Party am Ende der Szene in Chaos endet, wird dieser natürlich von einem plötzlichen Regen begleitet. Diese erste Szene aus Monas Lebensgeschichte ist der Höhepunkt des Kitschs im Film, was unmittelbar zwei Fragen aufwirft: Die nach der Notwendigkeit und die nach der Platzierung im Kontext der Handlung. Bibliotheque Pascal steht in einem kritischen Verhältnis zum Medium und reflektiert die Patina seines Regisseurs. Kino wird hier als eine Jahrmarktangelegenheit vorgestellt, die vordergründig unterhalten soll, die gerade auf dieser Ebene der Unterhaltung Botschaften bergen soll. Natürlich ist dieser Film, als erzählte Lebensgeschichte, sehr nah an der Literatur, die formelle Ebene komplementiert aber den Inhalt und hebt die Aussage hervor, dass Film seinen manifesten Inhalt aus dieser Ebene der Unterhaltung heraus auf den Zuschauer wirken lassen soll, zunächst unterschwellig, dann, während die Handlung immer ernster wird, Schritt für Schritt direkter, näher an der Realität, bedrückender, wobei die Bilder über den ganzen Verlauf des Films für einen ästhetischen Genuss sorgen. Der emotionale Haushalt des Zuschauers wird dabei subversiv zwischen zwei Extremen angespannt: die Gratifikation des Unterhaltenseins befindet sich in Uneinigkeit mit der Unannehmlichkeit des Ausgesetztwerdens. Ausgesetzt wird der Zuschauer nämlich auch politisch inkorrekten Themen und Tabus, wie Zwangsprostitution, Menschenhandel, Ausbeutung, oder polymorpher Perversion als Interaktion von sexueller Lust und Kultur.

Die handwerkliche Sicherheit, mit welcher diese Themen erforscht und zur Auseinandersetzung angeboten werden, ist immer wieder erstaunlich, denn die suggestiven Bilder sind meistens sehr präzise, sehr wirksam, sehr stimmungsvoll, so dass Raum für kleinere Motive (etwa Homophobie) geschaffen und ausgefüllt wird, zur Saturation des Zuschauers. Man könnte so weit gehen und behaupten, dass die Wirkung des Films die eines ganzen Bündels von Dokumentarfilmen zu den angerissenen Themen übertrifft, dass im Kontrast zwischen den schönen Bildern und der bedrückenden Stimmung des Films ein ungeheures emotionales Zwischenmoment für den Zuschauer entsteht, das viel aufwühlender ist, viel radikaler wirkt, als der seinen Konflikt, seinen manifesten Inhalt stets im Vordergrund tragende Dokumentarfilm.

Entsprechend die Rahmung am Ende, die der Erzählung jedes Wahrheitsgehalt abspricht und sie dokumentarisch verdoppelt, als eine in wenigen Minuten zu erzählende Geschichte über Zwangsprostitution, wie sie sich jeder vorstellt. Eine Rahmung, die die Kraft des Films nochmals betont und reflektiert, dem Zuschauer den Inhalt nochmals geballt anbietet.

Insofern ist Bibliotheque Pascal ein osteuropäischer Film nur soweit seine Handlung ihm das zuschreibt. Seine Strategie der Überflutung mit Bildern, Ideen, Attraktionen und Thesen ist eine der Vernetzung, des Hypertextes, des Globalen. Seine Inszenierung, sowohl als Spiel mit Vorbildern wie Gondry, Lynch, Fellini oder Kusturica, oder mit Genrekonventionen und Standardsituationen, mit der Film- und Kulturgeschichte, wie auch als Demonstration einer Positionierung des Regisseurs zur Filmsprache, ist universell.

http://www.negativ-film.de/2011/06/bibliotheque-pascal-film-kritik.html